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Hundearten

Jagdhunde – Ihr Wesen, Ihre Rassen und der richtige Umgang mit Ihnen

Die wohl ältesten Hunderassen die uns bekannt sind, sind die Jagdhunde. Aus der Entstehung der Verbindung zwischen Mensch und Hund geht hervor, dass zunächst Mensch und Wolf gemeinsam wenn auch räumlich getrennt jagten. Die Wölfe trieben die Tiere zusammen und der Mensch verwendete seine Waffen, um die Beute zu töten. Anschließend teilten sie sich die Beute. Aus dieser Verbindung heraus näherten sich die Wölfe dem Menschen immer näher an, wodurch der Wolf (Canis lupus)  zum Hund (Canis lupus familiaris) wurde. So hatte der Mensch stets seinen Jagdhund als Begleiter und wichtigen Gehilfe auf der Jagd immer bei sich. Welche Jagdhunde es gibt, wodurch sie sich unterscheiden und wie Du als Begleithund mit seinem Jagdtrieb umgehen sollst, möchte ich Dir heute näher bringen.

  1. Jagdhunde – die verschiedenen Rassen
    1. Stöberhunde
    2. Vorstehhunde
    3. Apportierhunde, engl. Retriever
    4. Schweißhunde
    5. Jagende Hunde, die Bracke
    6. Erdhunde
    7. Hetzjagdhund, Meutehund
  2. Jagdhunde als Gebrauchshunde heute
  3. Der Jagdhund als Haushund
  4. Jagdhunde richtig erziehen
  5. Wie ich meinen Jagdhund erziehe

 

Jagdhunde – die verschiedenen Rassen

Jagdhunde wurden mit der Zeit für die verschiedensten Arten der Jagd eingesetzt. Entsprechend mussten sich die Tiere auch sowohl Ihrer Umgebung wie auch Ihrer Aufgabe entsprechend anpassen. Der Mensch hat mit Zucht natürlich einiges dazu beigetragen. Die Jagdhunderassen werden in folgende Kategorien eingeteilt.

Stöberhunde, Vorstehhunde, Apportierhunde, Schweißhunde, Erdhunde, jagende Hunde und Hetzjagdhunde. Nachfolgend stelle ich Dir kurz auf, was die Aufgaben der einzelnen Jagdhunderassen waren und welche bekannten Vertreter wir kennen.

 

Jagdhund: Stöberhunde

Diese Jagdhunde gehen eigenständig und ohne Anweisungen des Jägers auf die Suche im Dickicht oder Schilf nach Hoch- oder Niederwild. Wenn sie fündig geworden sind, treiben sie die Tiere aus dem Dickicht heraus und melden den Erfolg lautstark dem Jäger und treiben die Tiere zusammen, sodass der Mensch lediglich das Tier erlegen muss.

Vertreter sind: 

  • Amerikanischer Cocker Spaniel
  • Clumber Spaniel
  • Kooikerhondje
  • Sussex Spaniel
  • Welsh Springer Spaniel
  • English Cocker Spaniel
  • English Springer Spaniel
  • Field Spaniel
  • Deutscher Wachtelhund

 

Jagdhund: Vorstehhunde

Die Vorstehhunde haben die besondere Eigenschaft, das sie bei Aufnahme des Geruchs von Wild, lautlos stehen bleiben und durch das Anheben einer Vorderpfote, in einer angewinkelten Stellung, ihrem Jagdführer dies anzeigen. Der Jäger muss das Wild aber eigenständig hochstehen und aufscheuchen um es zu erlegen. Es ist in Ihrem Instinkt nicht fest verankert dem Wild nach zu hetzen. Es gibt noch eine weitere Variante, sollte das Wild zu weit weg sein, geht der Hund, durch das sogenannte Nachziehen, der Spur weiter und zeigt erneut an, wenn das Wild in direkter Umgebung ist. Dass der Vorstehhund dem Wild nicht nach hetzt kann früh verankert werden und bildet damit kein Unterbinden seines Instinktes. Im Gegenteil, diese Tiere wurden im Wesentlichen für dieses Verhalten gezüchtet.

Bekannte Vertreter sind: 

  • Altdänischer Vorstehhund
  • Pointer
  • Deutsch Drahthaar
  • Deutsch Kurzhaar
  • Deutsch Stichelhaar
  • Magyar Vizsla
  • Pudelpointer
  • Weimaraner (langhaarig, kurzhaarig)
  • Münsterländer

 

Apportierhunde, engl. Retriever

Diese Hunde wurden gezüchtet, um das erlegte Tier zu finden und zum Jäger zu bringen. Dies bedarf einem ruhigen und sozialisiertes Wesen mit hoher Intelligenz und Ausdauer. Die Retriever lieben das Wasser, da sie auch zum Apportieren von Enten eingesetzt wurden. In Europa werden diese Hunde nur noch selten zur Jagd eingesetzt. Ihre Fähigkeiten machen sie aber zu idealen Gebrauchshunden als Begleithunde für bspw. Blinde aber auch als Rettungshund.

Bekannte Vertreter sind: 

  • Labrador Retriever
  • Golden Retriever
  • Chesapeake Bay Retriever
  • Flat-coated Retriever
  • Nova Scotia Duck Tolling Retriever
  • Curly Coated Retriever

 

Jagdhund: Schweißhunde

Schweiß ist der Jagdbegriff für Blut von Tieren. Der Schweißhund ist darauf spezialisiert, angeschossenes oder verletztes Wild aufzuspüren und zu stellen. Ihre Nase gehört zu den Besten Ihrer Art. Sie können zum Beispiel noch am Folgetag bei starkem Regen die Spur aufnehmen. Ihr starker Willensgeist die Spur bis zum Ende zu verfolgen, zeichnet sie aus. Sie sind eher ruhig und bedacht darauf sich von Ihrem Ziel nicht abbringen zu lassen. Das Ausbilden eines Schweißhundes bedarf außerordentlichem Geschick und Erfahrung. Der Schweißhund ist dabei auf seinen Ausbilder fixiert. Es ist daher nahezu unmöglich seinen Schweißhund ausbilden zu lassen und ihn anschließend selbst zu führen. Es gibt daher wenige solcher Hunde-Mensch Teams die Bundesweit zu einer Jagd hinzugezogen werden.

Schweißhunde sind, oder waren, auch bis ins 19. Jahrhundert, unter dem Begriff Bracke bekannt. Bracken werden heute nur noch bestimmte Hunderassen genannt.

Bekannte Vertreter sind: 

  • Hannoverscher Schweißhund (HSH)
  • Bayerischer Gebirgsschweißhund (BGS)
  • Alpenländische Dachsbracke (ADB)
  • Plott Hound (Mein Hund Paul ist ein Plott Hound Mix)

 

Jagende Hunde, die Bracke

Die Bracke wie wir sie heute kennen fällt unter den Begriff jagende Hunde. Warum? Sie jagen aktiv Tiere und stellen diese. Während der Jagd bellen sie laut, um dem Jäger eine Verfolgung zu ermöglichen, um so das gestellte Tier zu erlegen. Ihrem Wesen wird eine besondere Disziplin zugesprochen, da sie zum einen nur dann bellen, wenn sie eine nennenswerte Spur haben und das Tier nie selbst erlegen, sondern es mit System dem Jäger zu treiben. Aufgrund Ihrer Laufeigenschaften, werden sie dem FCI Standard nach unter der Kategorie Laufhunde geführt.

Bekannte Vertreter:

  • Deutsche Bracke (Olper Bracke)
  • Brandlbracke
  • Finnenbracke
  • Drever (Schwedische Dachsbracke)
  • Kurzhaarige Istrianer Bracke
  • Schweizerischer Niederlaufhund
  • Serbischer Laufhund (Balkanbracke)
  • Polnische Bracke
  • Rauhhaarige Istrianer Bracke

 

Erdhunde

Erdhunde, oder auch Bauhunde, sind kleine aber besonders mutige gesellen der Jagdhunderassen. Sie haben es zur Aufgabe den Dachs oder den Fuchs in seinen Bau, tief unter die Erde zu folgen. Wenn sie ihn gefunden haben, war es Ihr Ziel, diesen durch Bellen oder kleine angriffe dazu zu bewegen, den Bau zu verlassen, damit der Jäger diesen erlegen kann. Die Erdhunde haben neben ihrem großen Mut auch einen wahnsinnig starken Dickkopf. Anders ließen sie sich auch nicht auf den Kampf mit einem größeren und stärkeren Dachs ein.

Bekannte Vertreter sind: 

  • Dachshund (Dackel, Teckel)
  • Border Terrier
  • Foxterrier
  • Deutscher Jagdterrier
  • Welsh Terrier
  • Dachshund (Dackel, Teckel)
  • Jack Russell Terrier

 

Hetzjagdhund, Meutehund

Hetzjagdhunde jagen, wie der Name deutlich macht, in Form einer Hetzjagd. Sie jagen immer in einer großen Meute und hetzten ohne Unterlass und ohne Rücksicht auf Verluste die Tiere durch den Wald. Der Mensch folgt dem Treiben und wartet bis das gejagte Tier vor Erschöpfung halt macht und erlegt werden kann. Diese Art der Jagd ist besonders in England noch heute große Tradition. Die Meutehunde haben ein besonders strapazierfähiges Wesen und eine große Toleranz. Andererseits aber auch einen großen Dickkopf da sie aufgrund Ihrer großen Meute in der sie leben ohne Unterlass einer Spur, meist dem Fressen nachgehen mussten, damit sie satt werden. Aufgrund diesen großen Gemüts, das sie in Ihrer Gruppe benötigten, sind diese Tiere auch sehr beliebt für Tierversuche, da sie kaum Aggressionen aufzeigen.

Bekannte Vertreter sind: 

  • Beagle
  • Foxhound
  • Harrier

 

Jagdhunde als Gebrauchshunde heute

Die klassischen Jagdhunde werden auch heute noch von Jägern bei der Arbeit eingesetzt. Es gibt Bundesländer in Deutschland, in denen es untersagt ist, ohne einen ausgebildeten Jagdhund auf die Jagd zu gehen. Die Ausbildung eines Jagdhundes wird ausschließlich von Profis oder von einem erfahrenen Jäger selbst ausgeführt. Sie ist mit der Erziehung des Jagdhundes als Haushund nur bedingt zu vergleichen. Hier ist es gewollt, das der Hund dem Wild, seines Instinktes getreu nachgeht und es stellt. Wobei auch das Reißen eines Tieres absolut ausgeschlossen ist.

 

Der Jagdhund als Haushund

Aufgrund ihres schlanken und sportlichen Körperbaus aber auch Ihres tollen Menschenbezogenen Wesens sind Jagdhunde beliebte Haushunde. Auch ich bin seit jeher dieser Hunderassen verfallen. Bei einem Punkt aber gibt es immer wieder sowohl große Verwunderungen wie auch Diskussionen. Wohin mit dem Jagdtrieb. Kann man den nicht einfach abstellen?

Sagen wir mal so, rein technisch gesehen kannst Du das, ich möchte aber ganz klar und mit großer Sorgen zu diesem Thema Abstand davon nehmen. Das austreiben des Instinktes gleicht einer Gehirnwäsche des Tieres. Das Wesen des Tieres wird gebrochen und es weis nichts mehr mit sich selbst anzufangen. Ich stelle hier ganz klar die Frage, warum muss es ein solcher Hund sein, wenn ich mit dem Wesen des Tieres nicht einverstanden bin. Denn eines muss dir immer klar sein, du bekommst den Hund der er ist nicht aus Ihm raus. Auch wenn er dir optisch so gefällt, es muss immer das Wesen des Tieres sein, nachdem du dich für einen Hund entscheidest.

 

Jagdhunde richtig erziehen

Wie bei der Erziehung jeder Hunderasse ist es bei einem Jagdhund genau dasselbe. Der Ansatz der Erziehung sollte nicht sein, was darf das Tier alles nicht, was will ich nicht, am besten muss er einfach nur funktionieren. Das wird so nicht funktionieren. Der Ansatz muss immer sein, wer ist Mein Hund. Was hat er für Bedürfnisse, schlafen, fressen und Geschäfte mal außen vor gelassen und das wichtigste, was kann ich tun, damit es ihm daran nicht fehlt. Und ja das geht auch ohne, dass dein Hund Wildtieren hinterher hetzt. Die Erziehung baut auf zwei wesentlichen Standbeinen auf. Eine untrennbare und natürliche Beziehung zwischen dir und deinem Hund. Das zweite ist die optimale Auslastung, das dein Hund nicht auf dumme Gedanken kommt. Wie wir in den Rassenbeschreibungen gesehen haben, haben Hunde nie die Aufgabe gehabt ein Tier zu reißen, wenn dein Hund dies also tut, fehlt es ihm an vielem.

 

Wie ich meinen Jagdhund erziehe

Ein Antijagdtraining würde ich persönlich nicht empfehlen. Ich selbst habe es folgendermaßen umgesetzt, beziehungsweise bin mitten drin. Paul ist gerade 1 Jahr alt geworden. Er ist ein Vorstehhund, das bedeutet er darf und soll die Spuren suchen und aufspüren und sie mir anzeigen. Der Erfolg liegt bei Jagdhunden nämlich darin Ihrem Halter zum Erfolg zu helfen und nicht für sich selbst was zu fressen zu suchen. Unter diesem Aspekt gehe ich mit Paul um, wenn er anzeigt. Wir gehen gemeinsam auf die Jagd und sind ein starkes Team. Das hat dazu geführt das Paul bereits jetzt jederzeit bei jedem Tier abrufbar ist. Es gibt definitiv Hunde denen es schwerer fällt und manchen leichter und Paul ist als ehemaliger Schutzhund sicher einer der Sorte, die lieber bei mir bleiben, würden als wegzurennen, aber auch das ist schon vorgekommen. Hierfür habe ich aber immer einen GPS Tracker an ihm dran.

Hiermit verliere ich meinen Paul nie aus dem Blick ...

Meine Empfehlung, sucht euch einen Hundetrainer, der nicht darauf spezialisiert dem Hund das Jagen auszutreiben, sondern der euch zeigt, wie ihr mit seinem Jagdtrieb arbeitet. Das ist am Ende vielversprechender und langfristiger umsetzbar. Denn der Hund muss nichts Neues lernen oder sich Verbote merken. Sondern es ist, wie eigentlich immer, der Mensch, der lernen muss seinen Hund souverän, konsequent und mit viel Empathie zu Führen und lenken. Denn genau das ist es, was dein Hund sich von dir wünscht. Und sogar nichts sehnlicher als das.

Eine absolute Pflichtlektüre wenn es um Jagdhunde geht ...

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